Gefährliche Ess-Störungen

Die Medien machen es vor: Superdürre Models sind besonders für junge Mädchen das absolute Schönheitsideal.

Was sie oft vergessen oder gar nicht wissen: Von der Schlankheitskur zur tödlichen Ess-Störung ist es häufig nur ein kleiner Schritt. Hier sind besonders Eltern gefragt: Halten Sie das Essverhalten Ihrer Sprösslinge im Blick, ohne dabei allerdings den Kids „auf die Nerven zu gehen". Zu großer Druck kann die Situation verschlimmern.

Ess-Störungen sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Zu den typischen Merkmalen zählen ein gestörtes Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper. Es gibt verschiedene Formen - die Übergänge sind fließend. Viele Erkrankte leiden an Mischformen. Magersucht, Bulimie und Binge Eating sind die bisher am häufigsten vorkommenden Ess-Störungen. In jüngster Zeit ist die Zahl der an Adipositas (Fettleibigkeit) erkrankten Patienten drastisch gestiegen.


Arten von Ess-Störungen:

Bei der Magersucht sind Selbstbild und Körperempfinden gestört. Abzunehmen wird zum Inhalt des Denkens und Handelns. Die Krankheit geht oft mit hohem Leistungsdenken auf verschiedenen Ebenen des Lebens einher. Betroffen sind vor allem junge Mädchen und Frauen, aber auch Jungen und junge Männer.

Bei den Betroffenen handelt es sich keineswegs um bockige Teenager, die mit gutem Willen und psychologischen Tipps einfach zu behandeln wären. Ihr Problem ist, dass sie süchtig nach Hunger sind und das typische selbstzerstörerische Verhalten zeigen, das allen Süchtigen gemeinsam ist. Auch wenn sie bereits stark untergewichtig sind, können sie nicht aufhören zu hungern und einsehen, dass sie lebensbedrohlich krank sind. Als Folge ihrer Sucht empfinden sie ihren ausgemergelten Körper noch als zu dick und drangsalieren ihn zusätzlich mit Abführmitteln und extremen sportlichen Aktivitäten.

Nicht kontrollierbare Anfälle von Heißhunger („Fressattacken") kennzeichnen die Bulimie: Die Betroffenen vertilgen riesige Lebensmittelmengen und können erst aufhören, wenn nichts mehr hineinpasst. Die meisten Bulimiker wollen den Inhalt ihres Magens möglichst sofort wieder loswerden und helfen sich, indem sie sich erbrechen. Diese Anfälle (in einigen Fällen mehrmals täglich) spielen sich in der Regel in aller Heimlichkeit ab. Selbst vor engsten Freunden halten die Erkrankten ihre Ess- und Brechattacken aus Scham geheim. Auffällig ist ihre permanente Beschäftigung mit allem, was mit Essen, Kalorien, Körpergewicht, Diät und Figur zu tun hat. Aus Angst vor einer Gewichtszunahme machen Bulimiker immer wieder strenge Diäten, treiben oft exzessiv Sport und konsumieren große Mengen Abführ- und Entwässerungsmittel. Bulimische Menschen haben meist ein sehr schlankes Körperideal, können aber unter-, normal- oder auch übergewichtig sein.

Wie bei der Bulimie äußert sich Binge Eating durch wiederholte Heißhungerattacken, allerdings ohne anschließendes Erbrechen oder den Missbrauch von Abführmitteln. Der Kontrollverlust während der Heißhungeranfälle und die anschließenden Schuldgefühle sind ebenso typisch. Betroffene neigen besonders in persönlichen Stress-Situationen zu diesen Attacken.

Fettleibigkeit (Adipositas) wird als eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper bezeichnet. Sie entsteht, wenn die Energiezufuhr - hauptsächlich durch fettreiche Ernährung - den tatsächlichen Verbrauch übersteigt. Die Fettleibigkeit kann durch eine genetische Veranlagung sowie durch Ernährung, Lebensweise und mangelnde körperliche Bewegung bedingt sein, doch spielen auch seelische Faktoren wie Stress, Einsamkeit und Frustration eine Rolle.

Gefährliche Folgen

Die körperlichen und seelischen Folgen von Ess-Störungen sind zahlreich und können tödlich sein. Einige Beispiele: Bei Magersucht droht eine gefährliche Unterernährung, 15-20 % der Betroffenen sterben den Hungertod. Schwere Depressionen und Selbsttötungsversuche sind nicht selten. Herzrhythmusstörungen, Veränderungen des Blutbildes, des Hormonhaushaltes und des Gehirnstoffwechsels sowie Nierenversagen gehören zu den Risiken, ebenso Zahnschäden und weitere Folgen durch erbrochene Magensäure. Fettleibigkeit kann unter anderem zu Diabetes Typ 2, Herzerkrankungen, Bluthochdruck und Gelenkschäden führen. Nicht selten fühlen sich die Betroffenen ausgegrenzt und leiden unter Einsamkeit und Isolation.


Professionelle Hilfe

Die Behandlung von Ess-Störungen erfordert in der Regel eine psychotherapeutische Betreuung. Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist die enge Zusammenarbeit von Ärzten, Psychologen und Ernährungsberatern. Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist aber auch die Integration der Familie ein entscheidender Therapiebestandteil. Es gilt, die Betroffenen zu unterstützen und ihnen den Rücken zu stärken, damit sie sich nicht zurückziehen. Verständnis für die Probleme und nicht Ablehnung ist der richtige Weg. Und natürlich professionelle Hilfe.

Informationen und Hilfe

Bundesfachverband Essstörung e.V.

Pilotystraße 6 / Rgb., 80538 München, Telefon: +49 (0) 1 51/58 85 07 64, E-Mail: bfe-essstoerungen@gmx.de

Frankfurter Zentrum für Ess-Störungen

Hansaallee 18, 60322 Frankfurt am Main, Telefon: +49 69 550176

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

Ostmerheimer Straße 200, 51109 Köln, Beratungstelefon: +49 221 892031

Hungrig-Online e.V.

Postfach 1905, 91009 Erlangen

Bundesfachverband Essstörung e.V.
Kurt-Schuhmacher-Straße 2
34117 Kassel
Telefon: +49 561 713493

Frankfurter Zentrum
für Ess-Störungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 550176
Fax: +49 695961723
www.fz-ess-stoerungen.de

Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
Ostmerheimer Straße 200
51109 Köln
Beratungstelefon:
+49 221 892031
www.bzga.de
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Postfach 1905
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www.hungrig-online.de/