Suchtproblem am Arbeitsplatz aktiv angehen

Suchtproblem als besondere Herausforderung für Führungskräfte

Das gesellschaftliche Phänomen Sucht wirkt auch in die Arbeitswelt hinein. Mitarbeiter mit Suchtproblemen stellen für Führungskräfte eine besondere Herausforderung dar. Der aktive Umgang mit der Sucht kann Entscheidendes bewirken.

Der Genuss von Tabak und Alkohol, auch die Einnahme von Medikamenten gehören zu den weitestgehend anerkannten „Alltagsdrogen". Rauchen ist ein eher geringes Problem, wenn es um das Thema Sucht am Arbeitsplatz geht - gesetzliche Regelungen sorgen inzwischen für Klarheit und den Schutz von Nichtrauchern. Schwieriger wird es für eine Führungskraft, wenn ein Mitarbeiter alkoholsüchtig ist: Zehn bis 30 Prozent der Arbeitsunfälle ereignen sich unter Alkoholeinfluss, Alkoholkranke fehlen 16-mal häufiger, ihre Arbeitsleistung ist bis zu 25 Prozent reduziert. Die "Alltagsdroge" Alkohol verursacht bei einer großen Zahl von Menschen schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Mehr als 9,5 Millionen Menschen konsumieren in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Form - 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig. Jährlich sterben über 40.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs.

Ein Mensch ist dann süchtig, wenn er aufgrund einer Abhängigkeit seinen persönlichen, sozialen und beruflichen Verpflichtungen nicht mehr oder nur eingeschränkt nachkommen kann. Dahinter steht häufig ein Suchtmittel - die genannten Alltagsdrogen - aber auch Spielsucht oder Magersucht. Zunächst wird das Suchtmittel gelegentlich gebraucht, später dann täglich, verbunden mit einer psychischen und physischen Abhängigkeit. Bei Suchtmitteln wie Alkohol muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, immer mehr konsumiert werden, da der Körper sich aufgrund einer Toleranzentwicklung daran gewöhnt. Bei Nichteinnahme entstehen unerträgliche Entzugserscheinungen - der Teufelskreis beginnt von neuem. Dreht sich das Leben nur noch um Befriedigung der Abhängigkeit, spricht man von Sucht, die den Menschen gesundheitlich, psychisch und sozial gefährdet. Die Leistungsfähigkeit sinkt, die Persönlichkeit verändert sich und das Verhalten wird unberechenbar.

Aktive Ansprache unterstützt den Heilungsprozess

Seit 1968 gilt Alkoholismus in Deutschland als Krankheit, die Behandlung obliegt seit 1978 den Krankenkassen und der Rentenversicherung. Vom Arbeitgeber wird eine entsprechende Fürsorgepflicht erwartet. Ein Zugehen auf den Betroffenen trägt wesentlich zur Problemlösung bei. Das Wichtigste im Umgang mit Suchterkrankten: Vorwürfe und Moralpredigten helfen ebenso wenig weiter wie das Verschweigen oder Vertagen des Problems oder die Versetzung. Denn die Sucht hat Auswirkungen auf Arbeitsalltag und Teamleistung und kann im produzierenden Betrieb sogar Menschenleben gefährden.

Erkennen und Hilfe bei Suchterkrankungen

  • Abfallende Leistungsfähigkeit, verändertes Verhalten, erhöhte unerklärte Fehlzeiten, Unpünktlichkeit, verlängerte Pausen, Stimmungsschwankungen sowie ein verändertes Aussehen (aufgedunsenes Aussehen, gerötete Gesichtshaut und Augen bei Alkoholsucht) deuten auf ein Suchtproblem hin.
  • Eine Beobachtungszeit sorgt für Klarheit, ob familiäre oder gesundheitliche Gründe die Ursache für die Symptome sind oder eine Sucht. Die Beobachtungen werden schriftlich festgehalten.
  • Einladung des Mitarbeiters zu einem Personalgespräch:
  • Verdeutlichung der Sorgen um den Mitarbeiter und Vorbringen der Beobachtungen im sachlichen Ton.
  • Aufzeigen der Konsequenzen der Sucht für den Arbeitsplatz wie Leistungsabfall, Unzuverlässigkeit, Fehlverhalten im Team.
  • Vorgabe von Maßnahmen mit deutlichen Zeit- und Zielvorgaben wie Verhaltensänderung oder Aufsuchen einer Suchtberatungsstelle.
  • Bei Nichteinhaltung der vereinbarten Ziele im verabredeten Zeitraum gemeinsamer Termin mit Betriebsrat und Betriebsarzt und schriftliche Verwarnung.

Führungskräfte sollten für die Problemlösung Fachleute kontaktieren. Dies gilt besonders für den Umgang mit der Erkrankung, hier helfen der Betriebsarzt oder die Sozialberatung im Unternehmen weiter. Auch arbeitsrechtliche Fragen sollten geklärt sein, bevor Verwarnungen oder Kündigungen ausgesprochen werden.