Verwaltungsrat traf sich zur Klausur

Pflege stand im Mittelpunkt

"Pflege als gesellschaftliche Herausforderung" - unter diesem Motto stand die jüngste Klausurtagung des Verwaltungsrates der Daimler BKK in Sindelfingen. Als Gäste waren Angela Lechner und Daniel Fuchs mit dabei. Angela Lechner ist Mitarbeiterin der Daimler AG und kümmert sich im Global Diversity Office unter anderem um Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, wozu auch die Pflege von Angehörigen gehört. Daniel Fuchs ist als Referent Pflege beim Dachverband der Betriebskrankenkassen ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet.

Beide waren sich einig, dass das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für Unternehmen von enormer Bedeutung ist. Warum?

  • Jeder Beschäftigte kann von heute auf morgen in die Situation kommen, die Pflege eines Familienmitglieds organisieren zu müssen.
  • Pflege kann krank machen.
  • In Zeiten des viel beschworenen Fachkräftemangels wiegt der Verlust von Mitarbeitenden besonders schwer.

Unternehmen müssen daher zwangsläufig ein Interesse daran haben, ihren Beschäftigten Angebote zu machen, die diesen dabei helfen, die Pflegesituation besser zu meistern. Wie Daniel Fuchs erläuterte, besteht eines dieser Angebote in der Vermittlung von Wissen rund um das Thema Pflege. Viele Betroffene seien zu wenig informiert über ihre Rechte und Möglichkeiten. Vor diesem Hintergrund seien gerade unternehmensexklusive Betriebskrankenkassen wie die Daimler BKK aufgrund ihrer Nähe zu den Beschäftigten prädestiniert dafür, dieses Wissen zu vermitteln.

Anhand konkreter Zahlen machte Angela Lechner die Situation bei Daimler anschaulich:

  • Bei einer Befragung zum Thema mobiles Arbeiten 2015 gaben zehn Prozent der Beschäftigten an, Angehörige zu pflegen.
  • Über 900 Beschäftigte haben beantragt, statt mit einem tariflichen Zusatzgeld mit acht freien Tagen entlohnt zu werden. Ihr Grund: Pflege von Angehörigen. 2018 haben die Tarifpartner der Metall- und Elektroindustrie einen Abschluss vereinbart, der diese Möglichkeit bietet.
  • Das Durchschnittsalter der Daimler Stammbelegschaft entspricht mit 45 Jahren genau dem Durchschnittsalter von Angehörigen in Pflegesituationen.

Angela Lechner stellte sowohl die gesetzlichen als auch die speziellen bei Daimler bestehenden betrieblichen Möglichkeiten vor, die Beschäftige in Pflegesituationen in Anspruch nehmen können. Dazu gehören neben Pflegeurlaub und Pflegepause auch verschiedene Informationsveranstaltungen, an deren Finanzierung sich die Daimler BKK beteiligt hat. Dieses Angebot wird 2019 fortgesetzt, in unseren Medien kündigen wir die Veranstaltungen an.

Ein weiterer Schwerpunkt der Klausur stellte das Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG) dar, das Anfang 2019 in Kraft getreten ist. Das Gesetz regelt eine bessere Personalausstattung und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Zu diesem Zweck sind die finanziellen Mittel für Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung erhöht worden. 1 Euro je Versicherten müssen gesetzliche Krankenkassen speziell für Pflegekräfte in Heimen und Krankenhäusern zur Verfügung stellen. Wie bringen wir diese Gelder sinnvoll an die Pflegeeinrichtungen? Mit dieser Frage befassten sich die Mitglieder des Verwaltungsrats in einer Gruppenarbeit. Als betriebsbezogene Kasse verfügen wir über ein besonderes Know-how auf dem Gebiet der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Über unser Bonusmodell unterstützen wir seit mehr als zehn Jahren die Betriebliche Gesundheitsförderung bei Daimler, indem wir Gelder für BGF-Maßnahmen in den Betrieben zur Verfügung stellen. Seit 2016 fördern wir auch Maßnahmen in betriebsnahen Einrichtungen wie Sternchen-Kitas, SG Stern und der betrieblichen Bildung. Lassen sich diese Konzepte auf Pflegeeinrichtungen übertragen? Hier waren Ideen gefragt, die denn auch reichlich sprudelten und nun auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen sind. Einig waren sich die Mitglieder des Verwaltungsrates, dass sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den Daimler Betrieben und die des Pflegepersonals in Krankenhäusern und Pflegeheimen in vielen Punkten ähneln. Beide Gruppen haben mit vergleichbaren Problemen zu tun: Schichtarbeit, Zeitdruck, Rückenschmerzen, Beschwerden durch einseitige Belastungen. Vor diesem Hintergrund sollte es möglich sein, einen Teil der bereits vorhandenen BGF-Angebote auch im Arbeitsumfeld Pflege umzusetzen.