Übergewicht bei Kindern

Gemeinsame Mahlzeiten sind wichtig

Vollkornbrot zum Frühstück, Rosenkohl, Brokkoli oder Spinat zum Mittagessen und frisches Obst zwischendurch - gesund und lecker finden das vielleicht Erwachsene. Aber manche Kinder haben darauf keinen Appetit und stochern lustlos im Essen herum.


Hätten sie die freie Wahl, gäbe es für manche Kinder am liebsten täglich Hamburger, Pommes, Nudeln oder Pfannkuchen. Ein ständiger Machtkampf spielt sich da in vielen Familien ab: Erst schreien die Kinder, dann die Erwachsenen und schließlich geben viele Eltern den Kleinen entnervt nach. Die Folge: Zahlreiche Kinder leiden unter einem Mangel an wichtigen Nährstoffen und sind zu dick.


Verschiedene Untersuchungen in den vergangenen Jahren belegen einen dramatischen Anstieg von Übergewicht bei Kindern in Deutschland. „Legt man die Kriterien von 1969 zugrunde, sind im Vergleich zu den damals zehn Prozent jetzt 33,1 Prozent der Jungen und 27 Prozent der Mädchen mit sechs Jahren übergewichtig. Fettleibig, also adipös, waren 1969 drei Prozent der Kinder. Heute sind es bei der Einschulung 15,7 Prozent der Jungen und 11,3 Prozent der Mädchen" berichtet Prof. Beate Herpertz-Dahlmann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP).


Besonders Kinder, die ohnehin schon zu dick sind, nehmen im Verlauf der Jahre drastisch zu. Inzwischen stellen Ärzte bereits bei Kindern Krankheiten wie Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und den so genannten Altersdiabetes fest, die sonst nur bei älteren Menschen vorkommen. Hinzu kommen Schäden an Hüften, Knien und Füßen, weil die Knochen und Gelenke in der Wachstumsphase besonders empfindlich sind. Auch psychosoziale Aspekte spielen eine Rolle: Dicke Kinder werden oft von ihren Mitschülern gehänselt. Sie verweigern aus Angst, ausgelacht zu werden, den Schulsport und ziehen sich zurück. In der Pubertät leiden sie unter Kontaktarmut und als Erwachsene finden sie häufig keinen Lebenspartner. Trost suchen sie im Essen - ein Teufelskreis.


Experten empfehlen, schon Babys konsequent an gesunde Kost zu gewöhnen. Gerade bei Kleinstkindern sind Süßigkeiten fehl am Platz. Wer sein Baby früh mit übersüßtem Brei und Tee versorgt, legt den Grundstein für eine spätere Fehlernährung. Wenn die Kinder älter werden, sollten Gerichte wie Pommes, Fastfood oder Hamburger die Ausnahme sein. Ebenso sollten Eltern darauf achten, dass Kinder keinen unbeschränkten Zugang zu Süßigkeiten haben. Und natürlich gehört auch eine Menge Geduld zur richtigen Ernährung der Sprösslinge. Kinder müssen ein neues Gericht oft erst einige Male probieren, bevor sie es mögen. Eine entscheidende Rolle spielt die Vorbildfunktion der Eltern. Wenn Vater und Mutter gesunde Lebensmittel einkaufen und statt des Schokoriegels einen Joghurt mit Obst naschen, wirkt das wahre Wunder.


Wenigstens eine gemeinsame und in Ruhe eingenommene Mahlzeit pro Tag sollte zu den festen Ritualen im Familienleben gehören. Eine sorgfältige Vorbereitung und ein liebevoll gedeckter Esstisch gehören dazu. Wann immer die Zeit dafür da ist, sollte frisch gekocht und auf Fertigprodukte verzichtet werden. Sorgen Sie dafür, dass sich Ihre Kinder auch in der Schule richtig ernähren, zum Beispiel mit Vollkornbrot und Obst.


Eltern sollten versuchen, ihren Kindern Lust auf Bewegung zu machen, beispielsweise mit gemeinsamem Sport oder Spaziergängen abends und am Wochenende.

Leidet Ihr Kind unter Übergewicht, holen Sie sich fachkundige Hilfe. Es braucht viel Zeit und Geduld, alte Gewohnheiten zu durchbrechen. Vor allem aber ist die Bereitschaft notwendig, etwas verändern zu wollen - bei Kindern und Eltern. Hilfreich ist das Langzeitprogramm „Moby Dick", das übergewichtige Kinder und Jugendliche ärztlich und pädagogisch betreut. Auch Gespräche mit Kinderärzten und Psychologen können helfen.


Mit modernen verhaltenstherapeutischen Ansätzen werden die Kinder angeregt, weniger und anders zu essen und sich mehr zu bewegen. Nicht Verbote und strenges Kalorienzählen stehen im Vordergrund. Vielmehr machen die Therapeuten den Kindern mit Hilfe von Ernährungsprotokollen das eigene Essverhalten bewusst. Weitere Maßnahmen sind gemeinsames Kochen, regelmäßiges Wiegen und das Messen des Körperfettanteils.


Entscheidend für den Erfolg ist die grundlegene Veränderung der Ernährungsgewohnheiten - das gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Dabei ist es wichtig herauszufinden, was einem wirklich schmeckt. Um nicht früher oder später wieder in alte Verhaltensweisen zurückzufallen, sollte gesundes Essen natürlich auch lecker sein.